Ein paar Worte zu Usability, SEO und Nutzerorientierung

Eine Webseite sollte immer für die konkrete Befriedigung der Belange des Nutzers konzipiert sein. In der Regel ist das die Informationssuche. Das ist eigentlich die grundlegende Vorgabe bei der Konzeption und der Realisierung von Internetpräsenzen, welche aber häufig sträflich missachtet wird.

Zielgerichtet und mit wenigen Klicks sollte der oder die Nutzer/in die gewünschten Informationen finden und betrachten können. Weniger ist hier wirklich mehr!

Wer die Webpräsenz – allen voran die Startseite – nur als rein mediales Kommunikationsmittel zur Verbreitung des Selbstbildes ansieht, der darf sich dann im Gegenzug nicht wundern, wenn eine entsprechende positive Resonanz derNutzer ausbleibt.

Ich glaube fest, dass einer der grundlegenden Faktoren für erfolgreiche Webseiten, im klaren Priorisieren der Nutzerbelange bei der Gestaltung der Webseiten und Bedienerfreundlichkeit des Systems liegt. Wie oft predige ich bei Unternehmen und Seitenbetreibern den Satz: Gestalten Sie die Webseite in erster Linie für den Nutzer und nicht nach Ihren Vorstellungen oder für Suchmaschinen

Corporate Identity vs Informationssuche

Natürlich haben hier schon vorher die Kommunikationsdesigner an der Webseite ihr Werk verrichtet, den schließlich ist die Webseite auch eine Schnittstelle zwischen Unternehmen und Kunden und damit klar den Kommunikationsmitteln zuordnen. Hier heißt es dann in einigen Fällen die Corporate Identity (CI) überdeutlich und mit geballter medialer Macht (meistens Flash & Sound), den Nutzer aufzudrängen.

Gelobt sei, wenn die Webdesigner oder Entwickler dann wenigstens die Möglichkeit des „Skip Intro“ geschaffen haben. Bei vielen Webseiten ohne diese unentbehrliche Hilfsmaßnahme, besitzen die Seiten eine zum Teil erschreckendeBounce Rate.

Nutzerorientiert heißt erfolgsorientiert

Sich am Nutzer zu orientieren, heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass man keine Brands schaffen oder Marketingbotschaft übertragen kann. Vielmehr zeigen Beispiel aus dem Internet wie Google oder Twitter als jüngeres Beipsiel, wie man mit minimalistischen Auftreten zu globalen Marken werden kann.

Google hat nicht nur Erfolg bei den Nutzern wegen seines minimalistischen Auftretens, sondern weil das Unternehmen es schafft dem Nutzer wirklich relevante Ergebnisse für seine Suchanfrage zu präsentieren. Ob ein Ergebnis aber wirklich relevant ist, kann das Unternehmen aber erst aus der Auswertung des Nutzerverhaltens ermitteln.

Das Nutzerverhalten und die Usability werden deswegen weiter und im stetig wachsenden Umfang von Google bei seiner Ergebnisaufbereitung weiter berücksichtigt werden und mit entsprechende Faktoren und höheren Gewichtung gewürdigt.

Für Seitenbetreiber, Webdesigner und User Interface Manager heißt das im Klartext:  Orientiere ich mich also von vornherein klar an eine benutzerfreundliche und einfache Konzeption einer Webseite und lasse ich zudem noch das Wissen über die Gestaltung von suchmaschinenfreundlichen Webseiten einfließen, sind grundlegende Voraussetzungen für ein gutes Ranking gelegt.

Bounce Rate und Verweildauer sind bereits die bekanntesten Faktoren , die sich klar am Nutzerverhalten orientieren. Nach dem „Caffeine“-Update des Suchalgorithmus von Google sind Ladezeiten von Webseiten nun ein weiterer Rankingfaktor.

Doch das ist bei weitem nicht alles. Ein Blick in die Google Labs, lässt Einen erahnen wohin all diese Entwicklungen letztendlich hin führen werden. Schon heute kann man hier mit einer Applikation von Google Labs selbst die Ergebnisse verändern (Promote) oder sogar löschen (Remove), was schon seit geraumer Zeit mithilfe dieser Applikation und Anmeldung bei Google Labs möglich ist, ist nun für alle Nutzer möglich. Zwar funktioniert das derzeit nur mit den Ergebnissen von Google.com, aber die Einführung von „Site Comments“ hier in Deutschland ist wohl nur der erste Vorbote der neuen direkt von Nutzern gestalteten Google SERP´s weltweit.
In diesem Zusammenhang gewinnt auch die Tatsache, dass Google weltweit die personalisierte Suche, basierend auf dem Webprotokoll, der mithilfe Cookies im Browser das Nutzerverhalten beobachtet (Datenschützer gebt acht) und die Suchhistorie 180 Tage lang aufzeichnet.

Der unerfahrenen Nutzer bekommt also künftig in der Regel automatisch eine personalisierte Suche.

Google 2020 – Jedem seine Suche

Hinter jeder Suchanfrage steht im Zweifelsfall immer ein ganz spezifisches Interesse. Allein der Begriff: “Waschmaschine 60cm“ kann bedeuten, dass der Nutzer nach Informationen zum Kauf, zur Aufstellung, zum Einbau, zur Reparatur oder ein sonstiges Interesse damit verbindet. Also macht es im Grunde genommen auch Sinn, wenn die Suchmaschine möglichst viele persönliche Informationen über den Nutzenden besitzt, um sein genaues Interesse hinter der Suchanfrage zu deuten.

Denn wenn ich weiß, wer den Nutzer ist und was für Interessen er besitzt, dann ist es mir möglich ihn ein wesentlich relevanteres Suchergebnis zu liefern. Voraussetzung ist natürlich das ein Webprotokoll über mich existiert oder ich einen Account bei der Suchmaschine besitze und eingeloggt bin.

Bei unserem konkreten Beispiel könnte das bedeuten, dass wenn der Nutzer bereits mehrere Waschmaschinen auf Shopseiten besucht oder bei Google gebookmarkt hat, das ihm in den SERPs nun vielleicht eher kommerzielle Angebote präsentiert werden.

Ein oder eine Auszubildende/r von Miele hat vielleicht eher Foren und Informationsseiten besucht und vielleicht gebookmarkt sowie einige spezifische Blogs (und verfolgt sie bei Google Reader), so  dass ihm eher Informationsseiten präsentiert werden.

Schon jetzt ist Google unglaublich effizient in der Deutung von Suchanfragen und der Präsentation von entsprechenden relevanten Ergebnissen. Stichwort „universal search“. Google ist bestrebt dem Nutzer zu einer Suchanfrage alle relevanten Informationen zu liefern. Diese können dabei von den unterschiedlichsten Quellen kommen und werden je nach Keyword auch in der Präsentation anders gewichtet.

Gibt man beispielsweise ein populäres Nachrichtenthema ein, dann wird man aller Voraussicht nach News-Ergebnisse weit oben präsentiert bekommen. Gibt man den Namen eines populären Schauspielers ein, dann werden Bildergebnisse und Videoergebnisse populärer präsentiert.

Selbst die Präsentation sprich die Positionen der einzelnen Suchergebnisse (News, Bilder, Video) unterscheidet sich nach der Suchanfrage. Bei der Suchanfrage Angela Merkel bekommt man zuerst News, Webseiten, Bilder, Blogposts und dann Videos angezeigt. Bei der Suchanfrage Mario Barth bekommt man zuerst Webseiten, Videos, und dann News und Bilderergebnisse.

Sicherlich eine intelligente Aufbereitung, die wohl auch den Interessen der Nutzer entgegenkommt.

Suchmaschinenoptimierung = Usabilityoptimierung

Faktoren die für die Suchmaschinenoptimierung von Bedeutung sind wie: kurze Ladezeiten, Standardkonformität und flache hierarchische Navigationsstrukturen, spielen auch aus Sicht der Nutzer eine wesentliche Rolle. Diese und weitere Veränderungen hinsichtlich der Suchmaschinenoptimierung, gehen mit einer eindeutigen Verbesserung der Usability einher.

Ein SEO muss eine Website deshalb immer von zwei Seiten betrachten. Einmal aus der Sicht der Suchmaschinen und durch die Augen der Nutzer. Denn für dieses geschätzte Wesen optimieren wir schließlich die Seiten. Es ist doch Unsinnig mit SEO-Maßnahmen gegen alle Nutzerinteressen zu verstoßen, um dann durch ein Top-Ranking wieder im Mittelpunkt des Nutzerinteresses zu stehen.

Internet – Information pur

Das Internet wurde im Sinne einer allgemeinen und frei zugänglichen Informationsmediums weiter entwickelt und hat dadurch auch seine wahre Bestimmung gefunden. Diesen Grundgedanken gilt es bei der Konzipierung von Webseiten immer vor Augen haben. Einzigartige, interessante und wissenswerte Informationen zu präsentieren und Sie dem/der Nutzer/in einfach und bequem zugänglich zu machen.

Wie leidvoll ist es doch, wenn man auf der Suche nach Informationen immer wieder auf quälend lange Ladeprozesse warte, damit mir ein Unternehmen sein gewünschtes Unternehmensbild oder Marketingbotschaft vermitteln kann.
Erfolgreiche Webseiten – insbesondere von Unternehmen – entstehen erst dann, wenn die Verantwortlichen den Wert von qualifizierten Besuchern erkannt haben und ihre Webseite nicht bloß als einen weiteren Kanal für die Vermittlung ihrer Marketingbotschaft ansehen. Interaktion und Kommunikation mit dem Kunden sind hier die neuen Themen die in den Vordergrund treten.

Natürlich kann die CI in allen erdenklichen Formen und dem notwendigen Umfang in die Gestaltung der Webseite mit einfließen, doch bildet sie nicht die Eintrittskarte die gelöst werden, muss bevor man Zugang zu der gewünschten Information erhält.